Leistungssport, Nachwuchs und Plauschspieler: Über die Herausforderungen des BC Trogen-Speicher
Aus der Appenzeller Zeitung, von Lukas Pfiffner
Zweimal heisst es an diesem Sonntag in der Sporthalle Tal der Demut Trogen-Speicher gegen Argovia. Einmal in der höchsten Badminton-Spielklasse, einmal in der zweithöchsten. In der NLB ist der Druck aktuell eher grösser, weil es (im Gegensatz zur NLA) einen Absteiger gibt. Aus dem sehr jungen Ausserrhoder NLB-Team sollen gleichzeitig weitere Spielerinnen und Spieler auf ein höheres Niveau herangeführt werden.

Die 19jährige Anic Metzger, die in der NLA schon Erfahrungen gewonnen hat, muss sich diesmal mit dem Bedienen der Punktetafel begnügen. Sie hat sich vor sechs Wochen eine Vorstufe eines Ermüdungsbruchs im Fuss zugezogen und konnte nur reduziert trainieren. Sie hofft, an der Elite-Schweizermeisterschaft in drei Wochen wieder einsatzfähig zu sein. Nach Abschluss der Matura setzt sie während eines Zwischenjahres ganz auf Badminton. Bisher hat sie zur Hälfte in Trogen und in Bern im nationalen Stützpunkt von Swiss Badminton trainiert, seit Neuem hält sie sich die ganze Woche dort auf. Was im Sommer passiert, ist offen. «Vielleicht besuche ich ab Oktober die Spitzensport-Rekrutenschule.»
Gemeinsam im Auto
Die «gewöhnliche» Rekrutenschule hinter sich gebracht hat Leander Züst. Aktuell leistet er Zivildienst in der Küche eines Altersheims in Wil. «Derzeit kann ich etwas weniger trainieren als sonst.» Fünf bis sechs Trainings pro Woche sind es trotzdem. Später gedenkt Züst ein Studium zu beginnen. «Mein sportliches Ziel ist die NLA», macht er deutlich. Gegen Argovia gewinnt er an der Seite von Rafael Gavois das erste Herrendoppel. Der Franzose verstärkt für einzelne Spiele die NLB-Equipe, um möglichst Abstand zur Abstiegszone zu schaffen. «Wir haben dies mit dem Team so besprochen», erklärt Präsident Claude Heiniger. «Die Badmintonwelt ist manchmal klein», ergänzt er. Bevor Gavois nämlich seinen Freund Achille Crenner in drei Sätzen besiegt, ist er mit diesem gemeinsam im Auto aus Mulhouse angereist. Züst gewinnt mit Adina Panza auch das Mixed-Doppel. Man sei mit Selbstvertrauen angetreten. «Schön, dass es so gut gelaufen ist», meint er, nachdem er an der Wand die Tafel mit der «Sechs» aufgehängt hat. Mit diesem 6:2 belegt Trogen-Speicher im engen Achterfeld der NLB den fünften Platz.
Nach auswärts «verliehen»
Nicht weniger als 22 Trainingseinheiten pro Woche bietet der Verein an. Elf leitet Roman Zirnwald, fünf Agung Ruhanda, sechs der 70jährige Claude Heiniger. Zirnwald (auch Verantwortlicher für das NLB-Team) ist in einem vollen Pensum angestellt, Ruhanda mit einem halben. Dieser arbeitet zur Hälfte für den Schweizer Verband. Mit Mochamad Rehan Diaz beschäftigt der Club auch einen Profispieler. Um das Budget zu entlasten, wird der Indonesier verliehen, zum Beispiel für Clubtrainings in Frauenfeld oder Weinfelden. Und er erteilt Stunden an der Universität St.Gallen.
Es stelle für den Verein einen anspruchsvollen Spagat dar, Leistungssport zu betreiben und gleichzeitig Angebote für Plauschsportler sowie Kinder aufrechtzuerhalten, sagt Heiniger. Der BC Trogen-Speicher weist rund 120 Mitglieder auf, die Hälfte sind Kinder und Junioren. Die Finanzen seien eine stete Herausforderung. Trogen-Speicher und Uzwil bilden zusammen das regionale Leistungszentrum Ostschweiz. «Wir erhalten Unterstützungsgeld vom Verband, von den Kantonen St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden und Gemeinden.» Auch auf Beiträge von Firmen und privaten Sponsoren oder Spielergöttis ist der Verein angewiesen. «Wir versuchen immer Lösungen zu finden. Auch wenn es in der jetzigen wirtschaftlichen Situation nicht einfacher wird.»

Die Prognose ist richtig
Bevor sich die NLA-Mannschaften einspielen, knipst Diaz ein Foto des NLB-Teams. Ruhanda säubert mit einem Staubsauger den Teppich. «Das Hinspiel hat 4:4 geendet. Gut möglich, dass es heute ähnlich herauskommt», meint Heiniger, der als Speaker amtet. Er sollte absolut recht behalten. Das einzige Fünfsatzspiel des Nachmittags geht an Ruhanda und Diaz. «Da war auch Glück im Spiel», bilanziert Diaz, «hoffentlich haben wir es nicht für das ganze Jahr aufgebraucht.» Dies wohl nicht, aber mindestens für den Tag. Diaz verliert sein Einzel nämlich in drei Sätzen und mit knappen Punkteständen. Im Damendoppel, Dameneinzel und zweiten Herreneinzel setzen sich die Einheimischen durch. Mit dem Unentschieden hält Trogen-Speicher die Playoffchancen aufrecht. Ab 7.45 Uhr, gut zwei Stunden vor Beginn der Partie, haben die NLB-Spieler die Halle eingerichtet, um 17.15 Uhr räumt die NLA-Mannschaft die Netze, Werbetafeln und Teppiche weg. Am 7. Februar werden letztere wieder ausgerollt. An jenem Samstag spielt am Vormittag das NLB-Team gegen Zürich und am Nachmittag das NLA-Team gegen Lausanne.
Bild 1:
Coach Roman Zirnwald (links) notiert das Resultat, Leander Züst und Rafael Gavois freuen sich über den Sieg.
Bild 2:
Mochamad Rehan Diaz bejubelt den Fünfsatz-Sieg im ersten Herrendoppel mit Agung Ruhanda.
Bilder: Kurt Frischknecht
